Sessionbericht: Deathbook

Ihr wollt wissen, was in den Sessions passiert ist, die ihr beim eBookCamp verpasst habt? Oder habt gleich das ganze Camp verpasst? Lest einfach hier nach! Wir veröffentlichen nach und nach die Eindrücke unserer fleißigen Sessionpaten.

Deathbook – das multimediale und interaktive eBook bei Rowohlt

von Johanna Schaumann

In der Session „Deathbook – das multimediale und interaktive eBook bei Rowohlt“ waren neben Autor und Lektor überraschend 5 weitere Projektmitglieder (Projektleiter, Programmierer, Vertrieb) anwesend und gaben sehr schöne Einblicke in das Projekt.

Uwe Naumann und Andreas Winkelmann

Uwe Naumann vom Rowohlt Verlag (li.) und Deathbook-Autor Andreas Winkelmann stellen dem eBookCamp-Publikum ihre Session vor, © Ute Nöth

Deathbook ist ein Thriller mit innovativen, interaktiven, multimedialen Elementen. Es ist eine 10-wöchige Fortsetzungsgeschichte, die ab 24. September 2013 startete, und zuerst nur als Ebook konzipiert wurde. Im Anschluss wurde eine Printfassung erstellt. Neu war bei dieser Geschichte, dass die multimedialen und interaktiven Elemente nicht „angeflanscht“ wurden, sondern wichtiger Bestandteil der Geschichte sind.

Sehr schnell wurde klar, dass Deathbook ein „Projekt“ ist, das in den vorhandenen Rowohlt-Verlagsstrukturen integriert werden musste, und dass vor allem Theorie und praktische Umsetzung alsbald auseinanderklafften:

Grundsatzentscheidung war, auf allen Geräten und Plattformen präsent zu sein. Hier ist man sehr schnell an die technischen Grenzen gestoßen, da der ursprüngliche Plan EINE DATENQUELLE FÜR ALLE AUSGABEFORMEN nicht umsetzbar war. Am Ende mussten 3 Produkte parallel entwickelt und kontrolliert werden. Diese technischen Tests waren zeitintensiv und auch die unterschiedlichen Mentalitäten von Programmierer, Lektor, Autor … kamen zu Tage. Während ein Programmierer gerne eine Betaversion entwickelt und freigibt, möchte der Lektor ein abgeschlossenes Produkt abliefern. Auch musste berücksichtigt werden, dass nicht auf allen Geräten Interaktivität möglich ist.

Der Autor Andreas Winkelmann durfte zuerst seine Wünsche äußern ohne technischen Hintergrund, wurde dann aber von der Realität eingeholt. Sein Kommentar „Künstlerische Eitelkeiten durfte ich dabei nicht haben“ beschreibt es sehr gut. Er musste 10 Wochen lang in 2 Welten leben, da er auch gleichzeitig seine eigene Hauptfigur im Thriller war und aktiv mitgewirkt hat. Lebendig erzählte er von dem Dreh einer Filmepisode in einer Baracke, die in den Thriller eingebaut wurde. Er war als Autor auch besonders gefordert, den Thriller aktuell zu halten, vor allem bei den Sprungstellen in die sozialen Netzwerke.

Am Ende wurde auch noch ein Printbuch veröffentlicht, bei dem Stellen neu geschrieben werden mussten, um z. B. die interaktiven bzw. multimedialen Passagen einzubauen und zu beschreiben. Es wurde auch viel überlegt, ob es einen „Mehrwert“ für das Printbuch geben muss, letztendlich war es der Umfang. Schwierig war auch das Übertragen der Zeitleiste des Buches, da im Ebook des Öfteren Handlungen parallel stattfanden.

In der anschließenden Diskussion wurde die Frage gestellt, ob diese Art von Projekten mit den vorhandenen Verlagsstrukturen sinnvoll umgesetzt werden kann oder ob es besser ist, „Externe“ damit zu beauftragen. Herr Naumann zeigte dazu in einer eindrucksvollen Graphik „Deathbook-Elemente“ die Vielfalt der multimedialen, interaktiven Elemente und beschrieb den dahinterstehenden Aufwand. Wenn nötig, wurde die Expertise von Externen eingeholt, die Projektverantwortung blieb aber im Verlag. Von allen Beteiligten wurde nochmals das nötige Teamverständnis und die Gleichberechtigung aller Teammitglieder betont, ohne diese wäre die Umsetzung nicht möglich gewesen.

Deathbook ist vorerst ein abgeschlossenes Projekt, es wurden viele Erfahrungen bezüglich Teamarbeit (Innerhalb des Verlages und Zusammenarbeit mit Softwareentwickler) und Zeitmanagement gesammelt. Das Engagement aller Beteiligten war sehr hoch, es hat sich vor allem die technische Umsetzung als limitierender Faktor herausgestellt. Dies wurde zeitweise als sehr unbefriedigend eingestuft. Der Titel wird noch eine zeitlang lieferbar sein, es wird überlegt, wie man die interaktiven Elemente (Echtzeitereignisse) aktiv hält und inwieweit Softwareaktualisierungen nötig sind. Ob es Folgeprojekte geben wird, ist noch offen.

Danke für den Einblick in die Projektarbeit und kritische Reflexion, aus diesen Projekten kann man nur lernen!


Sessionbericht: DSDEBS oder Wie der Bad Cop zur Wischmaus wurde

Ihr wollt wissen, was in den Sessions passiert ist, die ihr beim eBookCamp verpasst habt? Oder habt gleich das ganze Camp verpasst? Lest einfach hier nach! Wir veröffentlichen nach und nach die Eindrücke unserer fleißigen Sessionpaten.

Steffen Meier und Vedat Demirdöven: Deutschland sucht den E-Book-Star. Eine Bestandsaufnahme

von Kai Wels (www.kaipiranha.de)

DSDEBS steht weder zur Wahl zum Jugendwort des Jahres 2014 noch ist es das neue Format eines privaten TV-Senders. Es ist vielmehr der Titel der Session von Vedat Demirdöven und Steffen Meier, die gemeinsam ihren Erfahrungsbericht als Jury-Mitglieder für den 1. Deutschen E-Book Award mit dem aufmerksamen Publikum teilten: Deutschland sucht den E-Book Star!

Steffen Meier hielt gleich zu Beginn fest, dass die Arbeit als Jury-Mitglied „echt anstrengend“ gewesen sei. Kein Wunder, schließlich musste aus 62 Einreichungen die Spreu vom Weizen getrennt werden, bei dem der selbsternannte Bad Cop Meier auch die durchaus deutlichen Qualitätsunterschiede der E-Books erläuterte. Für den Award durften nicht nur Verlage ihre Produkte vorstellen, sondern auch Self-Publisher und andere Unternehmen. In den zwei Kategorien Enhanced E-Books und Apps musste die Jury also erstmal bestimmte Kriterien definieren, um eine Vergleichbarkeit abzuleiten. Die Schwerpunkte Innovation, Usability und technische Umsetzung bildeten so den Rahmen in der Bewertung.

Dann führte Meier durch die Shortlist in der Kategorie Enhanced E-Books mit der Unterstützung von Vedat Demirdöven, der den Titel „Wischmaus“ ob seiner eigenen beträchtlichen Digitalkompetenzen eindeutig nicht verdient hat. Eine Prezi über das iPad zu bedienen ist jedoch nicht jedermanns Sache, wie Meier später selbst demonstrieren durfte. Die Beispiele für innovative E-Books im Enhanced Bereich beeindruckten das Publikum zweifellos mehr. Besonders der junge Gewinner in dieser Kategorie, Andreas Huber mit Physik 7, überzeugte nicht nur die Teilnehmer vom eBookCamp, sondern auch Jury-Mitglied Steffen Meier: „Wenn ein 17-jähriger Self-Publisher ein zeitgemäßes und interaktives Lehrbuch produzieren kann, das besser ist als von großen Verlagen, dann ist das eine echte Klatsche!“

Vedat Demirdöven und Steffen Meier

„Good Cop“ Vedat Demirdöven (li.) und „Bad Cop“ Steffen Meier, © Felix Wolf

Danach übernahm Steffen Meier die Rolle der iPad-Prezi-Wischmaus und übergab den Moderatorenstab an Vedat Demirdöven, der die Nominierten in der Kategorie Apps vorstellte. Bei der sehr aufwändigen Umsetzung der Netwars App wurde im Publikum die Frage gestellt, inwieweit sich eine solche Produktion überhaupt rechnen würde. Vedat Demirdöven hatte als Good Cop gleich die passende Antwort parat: „Netwars ist ein sehr gutes Beispiel, wie man mit einem internationalen Vertriebsansatz die höheren Produktionskosten finanzierbar machen kann.“ Den Gewinner des 1. Deutschen E-Book Awards in der Kategorie Apps lobte er für den sinnvollen Einsatz der technischen Möglichkeiten und multimedialen Anreicherungen der historischen Biographie von „Carl Lutz“.

Die Vorlage des Deutschen E-Book Award war der Digital Book Award aus den USA. Hier sei der E-Book Markt auch bereits viel weiter als in Deutschland, berichtete Demirdöven, als er die Möglichkeiten von ePub3 etwas genauer vorstellte. Dort werde dieses Format schon sehr grundlegend eingesetzt, wohingegen in Deutschland die Verlage noch sehr zögerlich darauf reagierten. Nicht nur die Einbindung von Rich Media oder Quick Polls in E-Books, die Vedat an einem Beispiel eindrucksvoll demonstrierte, auch die Option für fortlaufende Aktualisierungen bei Enhanced E-Books seien besonders im Sachbuchmarkt sehr interessant.

Schön ist ja, dass man auch bei jeder Veranstaltung immer etwas dazu lernen kann. So wurde aus dem Publikum das sog. D’Artagnan-Prinzip bei der E-Book Herstellung kurz erläutert, was sinnbildlich soviel bedeutet wie: Eines für alles. Man bricht aufgrund der vielen unterschiedlichen Lesegeräte und Systeme die Produktion auf den kleinsten gemeinsamen Nenner runter, um damit eine technische Quelldatei zu erzeugen, die am meisten kompatibel ist. Und hier beißt sich die Katze wieder in den Schwanz, denn die Nutzung von Enhanced E-Books von einer Qualität der Preisträger des E-Book Awards ist nach wie vor stark abhängig von der Verbreitung und technischen Ausstattung der Geräte.

Abschließend war man sich aber darüber vollkommen einig, dass eine Verbindung des Deutschen E-Book Awards mit der Stiftung Buchkunst ein Gewinn für alle wäre. Und beim Rausgehen schwirrten dem optimistischen Berichterstatter die historischen Worte durch den Kopf: „Es wächst zusammen, was zusammen gehört.“

Die Präsentation von Steffen und Vedat findet ihr auf prezi.com. Infos zum 1. Deutschen eBook Award: www.deutscher-ebook-award.de.


Sessionbericht: Ein Traum von einem Buch

Ihr wollt wissen, was in den Sessions passiert ist, die ihr beim eBookCamp verpasst habt? Oder habt gleich das ganze Camp verpasst? Lest einfach hier nach! Wir veröffentlichen nach und nach die Eindrücke unserer fleißigen Sessionpaten.

Luise Schitteck und Johanna Schaumann: Ein Traum von einem Buch

von Edda Klepp (dasseitenfresserchen.blogspot.de)

Luise Schitteck und Johanna Schaumann in ihrer Session "Ein Traum von einem Buch"

Luise Schitteck (li.) und Johanna Schaumann in ihrer Session „Ein Traum von einem Buch“, © Felix Wolf

Vieles ist inzwischen mit E-Readern möglich. Doch je ausgefeilter die Technik, desto mehr potenzieren sich auch die Fehlerquellen. Kein Wunder, dass die Kundschaft da oft nicht allein weiter weiß und sich mit Fragen an die Bücher-Fachwelt wendet. In ihrer Session „Ein Traum von einem Buch“ auf dem eBookCamp Hamburg 2014 berichteten Luise Schitteck von readbox und Johanna Schaumann vom Carl Hanser Verlag von ihren persönlichen Erfahrungen mit Kundenanfragen. Und ein wenig Katzen-Content gab es kostenfrei gleich noch dazu.

Der Draht zur Ebook-Kundschaft

Mit mehreren Katzen teilt sich Luise Schitteck ihre vier Wände daheim. „Wie ich aussehe, das wisst ihr ja jetzt, deswegen habe ich ein Bild von einer Katze genommen“, eröffnete sie launig die Session mit Blick auf die Projektion ihrer biografischen Daten nebst Konterfei des Stubentigers an der Wand. Die Lebensläufe der beiden Leiterinnen waren denn auch schnell umrissen. Sie, Luise, arbeitete lange Jahre als Buchhändlerin und hatte daher ständig den direkten Draht zur Ebook-Kundschaft, die andere, Johanna, beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Ebook in ihrem Verlag und hat deswegen oft Fragende in der Telefonleitung. Ihr Vorgehen: „Wir als Verlag verweisen grundsätzlich auf den Support der Verkaufsplattform.“

Denn meist sind es ohnehin die technischen Fragen, die der Kundschaft Kopfzerbrechen bereiten, am Telefon lässt es sich da nur schwer helfen, vor allem in Hinblick auf die Vielfalt der inzwischen gängigen Systeme. „Wie kriege ich das Ebook auf den Reader? Warum kann ich eine PDF nicht lesen? Wie komme ich an meine Kennung heran, die ich bei der Registrierung abgeben musste?“ – All das sind Fragen, die Luise im täglichen Kundengespräch immer wieder begegneten. Fragen also in der Hauptsache nach den Themen Kopierschutz und Synchronisation.

Bequeme Lesealternative

Nicht selten ging für die Lösung des Problems da auch schon mal die eigene Freizeit flöten. „Ich habe mir das dann alles nach der Arbeit angelesen“, berichtete Luise. Für die Hilfesuchenden hat sie viel Verständnis. Man könne nicht erwarten, dass sich diese mit allem allein auseinandersetzten. In der Hauptsache waren ihre Kunden weiblich, 40+ und wünschten sich eine bequeme Lesealternative zum unhandlichen und schweren Buch für den Urlaub oder auch die Badewanne. Technische Kenntnisse brachten die wenigsten mit.

Johanna machte da im Verlag schon andere Erfahrungen. „Bei mir sind es zu 90 Prozent technisch affine Männer mit detaillierten und gezielten Fragen“, sagte sie. Aber auch die Rechtschreibung oder die Darstellung im Ebook scheint die Menschen zu bewegen. „Warum ist das Bild im Ebook einen Absatz weiter unten als im Printbuch?“, gab Johanna eine der Fragen wieder und ergänzte sogleich: „Wie geht man denn damit um?!“

Arbeitsaufwand in keinem Verhältnis

Ob im Verlag oder in der Buchhandlung – der Arbeitsaufwand bei der Behandlung der technischen Wehwehchen steht oft zum Nutzen für den Verkäufer oder Produzenten in keinem guten Verhältnis. Dies wurde auch im anschließenden Gespräch in der Sessiongruppe deutlich, bei der andere ebenfalls ihre Erfahrungen mit Kundenanfragen zum Besten gaben. Vor allem dann nicht, wenn sich die Fachkraft ständig in neue Felder einarbeiten muss.

Auf die Frage, ob sich denn durch die Wlan-Fähigkeit der neuesten Generation viel verändert habe, reagierte Johanna prompt. Und mit Humor: „Ja, dadurch kommt jetzt diese Problematik auch noch dazu…“

Häufig benannte Themen

Vor allem die folgenden Wünsche sind aus Sicht der Kunden häufig im Fokus:

  • Das einfache Downloaden (gegebenenfalls vor Ort in der Buchhandlung) von einzelnen oder auch mehreren Titeln;
  • gute Lesbarkeit der Ebooks;
  • der Austausch älterer Ebook-Versionen, sobald sich das Gerät erneuert hat;
  • aufeinander abgestimmte Formate, damit kein Datenkuddelmuddel und kompliziertes Kopierschutzdesaster entsteht sowie
  • eine möglichst schnelle Verfügbarkeit nach Veröffentlichung der Printausgabe, denn für niemanden ist es verständlich, warum auf manches Ebook lange gewartet werden muss, obwohl der Text bereits lektoriert vorliegt.

Einig waren sich am Ende der Session alle in diesem Punkt: In der Zukunft wird es zunehmend nötig sein, Personal für den Support bei der Ebook-Problematik fix einzuplanen. Inwiefern dies umsetzbar ist, ist eine ganz andere Frage. Aber selbst wenn, auch dann wird es immer wieder schwierige Felder geben, denn mit allem, beispielsweise auch sämtlichen aktuellen Apps oder Updates, kennt sich schließlich keiner aus.


Sessionbericht: E-Book-Marketing (Johanna Schaumann)

Unsere Sessionpaten haben in den Tagen nach dem eBookCamp fleißig in die Tasten gehauen, um die Themen für alle Teilnehmer und Interessierten zusammenzufassen. Vielen, vielen Dank dafür! Die Berichte veröffentlichen wir nacheinander in den kommenden Tagen.

Marketingaktionen für E-Books: Learning by Doing, Trial and Error – oder doch gezielt planbar?

Sessionleiterin: Johanna Schaumann

Text: Florian Andrews

Nach einer grundsätzlichen Arbeitsplatz- und Situationsbeschreibung führte Johanna in den Marketingprozess des Carl Hanser Verlages ein. Bei Hanser gibt es eine sehr klare Firmenphilosophie und nach der ist das Handeln des Verlages auf das stationäre Sortiment ausgerichtet.

Gleichwohl ist das E-Book-Marketing bei Hanser kein statischer Prozess und auch keine Eins-zu-eins-Übernahme des Handelsmarketings. Auf dem noch nicht so gefestigten E-Book-Markt probiert Hanser einiges aus und agiert auch manchmal nach der Trial-and-Error-Methode. Aber in einem Punkt gibt es eine klare Haltung im Haus: Sowohl beim E-Book als auch im Printbereich gibt es keinen direkten Handel mit Endkunden. Der gesamte Vertrieb ist indirekt organisiert.

Das Printprodukt mit seinem Cover und seiner je eigenen Qualität ist also der Ausgangspunkt für die Arbeit mit den E-Books, von diesem Punkt leitet Johanna Vertrieb, Preis und Marketing für das E-Book ab. Ihr Fokus liegt im Marketing auf der Auffindbarkeit der Titel im Netz. Online-, Handels- und Social-Media-Marketing sind ihre Werkzeuge. Daher ist sie immer auf der Suche nach neuen Partnern, nach neuen Produktformen und nach Möglichkeiten, den Workflow so zu gestalten, dass er eine möglichst hohe Flexibilität und Aktualität ermöglicht.

Johanna Schaumann: E-Book-Marketing, Session beim eBookCamp 2013

© eBookCamp

Im Onlinemarketing sucht Johanna Antworten auf drei Fragen:

  • Wie kommt der Kunde auf die Seite?
  • Wie kommt der Kunde zum Kauf?
  • Wie wird der Kunde dann betreut?

Saubere Metadaten sind dabei eine Voraussetzung, aber auch ein souveräner Umgang mit den vom Wiederverkäufer vorgegebenen Produktkategorien sowie mit der Entwicklung von phantasievollen Zusatzmaterialien. Leitgedanke ist immer die Kommunikation, bzw. die Verwendbarkeit des Inhaltes in den Kommunikationskanälen.

Auch im Handelsmarketing sind es drei Fragen, die beantwortet werden müssen:

  • Wie werden die Titel im Shop platziert?
  • Welche Möglichkeiten für redaktionelle Unterstützung gibt es?
  • Welche Aktionen sind mit den Handelspartnern möglich?

Aufgrund der Endlichkeit des Marketingbudgets, ist der persönliche Kontakt zu den Storemanagern zentral, außerdem ist die Teilhabe an Free-Books, Leseproben und Kooperationswerbung wichtig.

Auch im E-Mail- und Newsletter-Marketing gilt es, mit den Handelspartnern eng zusammenzuarbeiten. Denn die Leser sollen zwar zu den E-Books hingeführt werden, der Kauf soll aber eben auf den Seiten der Handelspartner stattfinden.

Eine Zielgruppe von Johannas Marketingaktionen sind daher auch die klassischen Sortimenter, mit denen sie unterschiedlichste Aktionen vereinbart.

Im Bereich Social Media ist Hanser sehr aktiv, bindet dabei die Autoren stark ein bzw. animiert sie, aktiv zu werden.

Zu den o. g. klassischen Marketinginstrumenten nimmt Johanna noch die neuen, sich aus dem Produkt ergebenden Möglichkeiten hinzu, wie z. B. Widgets, Leseproben extended etc., Free-Book- oder Preisaktionen.

Am Ende dieses Exkurses durch das Onlinemarketing des Hanser Verlages standen einige Fragen, die aber mangels Zeit nicht mehr diskutiert werden konnten:

  • Die „Warengruppen“ oder Kategorien in den E-Book-Shops entsprechen i. W. den Warengruppen eines stationären Händlers. Wo bleiben Kategorien wie z. B. „enhanced E-Books“ oder „E-Book first“?
  • Wie sieht es mit Bestsellerlisten beim E-Book aus?
  • E-Books als Leseexemplare?
  • E-Books zum Vormerken?
  • E-Books und die Backlist?

Die Session von Johanna zeichnete sich dadurch aus, dass sie sehr genau und detailliert den Umgang mit E-Books im Carls Hanser Verlag (Belletristik) nachzeichnete. Durch ihre Genauigkeit ergab sich ein sehr spannendes Bild vom E-Book-Marketing an sich. Denn Hanser ist ein Verlag, der eine klare, politische Entscheidung getroffen hat: erst Print und Buchhandel, dann E-Book und Download. Das heißt, das Handeln für und mit E-Books orientiert sich bei Hanser stets am Handeln für sein Gegenüber im Print.

Vergleicht man diese Position z. B. mit dem Auftreten und Argumenten aus den Sessions mit Fabian Kern oder den Berliner/Hamburger Start-ups, dann wird klar, wie groß und vielfältig das Markttreiben im digitalen Bereich ist. Damit ist nicht nur gemeint, dass man auf sehr unterschiedliche Art sein Glück finden kann, sondern dass „beharrende“ Positionen sehr klar handlungsleitend sind und damit auch zur Reduktion von Kontingenzen führen können.


Sessionbericht: Anspruchsvolle EPUB-E-Books selber machen (Fabian Kern)

Unsere Sessionpaten haben in den Tagen nach dem eBookCamp fleißig in die Tasten gehauen, um die Themen für alle Teilnehmer und Interessierten zusammenzufassen. Vielen, vielen Dank dafür! Die Berichte veröffentlichen wir nacheinander in den kommenden Tagen.

Anspruchsvolle EPUB-E-Books selber machen – ein Werkstattbericht

Sessionleiter: Fabian Kern

Text: Lucas Lüdemann

Fabian berichtete von einem Referenzprojekt, das er zusammen mit Ursula Welsch umgesetzt hat. Ziel war, ein reich bebildertes Sachbuch als EPUB-E-Book umzusetzen. Das Projekt sollte beispielhaft zeigen, wie man inhaltlich komplexe Printinhalte im E-Book umsetzen kann, mit welchen Schwierigkeiten man zu tun hat, und welche Möglichkeiten man dabei ausschöpfen kann.

Als Projekt sollte ein Buchinhalt dienen, für den Ursula Welsch die Rechte besitzt: Lou Andreas-Salomé. Eine Bildbiographie. Der Vorteil bei diesem Content war, dass die Rechtelage der Texte und Bilder bereits komplett geklärt war und damit keine zusätzlichen Umwege oder inhaltlichen Anpassungen nötig waren.

Entscheidung

Fabian und Ursula haben sich dafür entschieden, das Buch als reflowable EPUB umzusetzen, und zwar zunächst als einfaches EPUB, welches eine möglichst breite Geräteunterstützung erlaubt. In einem zweiten Schritt soll das EPUB auch mit multimedialen und interaktiven Elementen angereichert werden, also ein sogenanntes enhanced E-Book erstellt werden.

Aber zunächst zur einfachen EPUB-Variante. Das Beispielprojekt ist insofern etwas Besonderes und interessant für Verlage, als gemeinhin die Auffassung herrscht, dass Bücher mit aufwändigem Layout und zahlreichen Bildern nur im Fixed Layout umzusetzen sind.

Exkurs: Fixed-Layout-EPUBs stellen ihren Inhalt in feststehendem Seitenlayout dar. Jede Seite kann eins zu eins wie im gedruckten Buch dargestellt werden. Das Fixed-Layout-EPUB besitzt eine feste Paginierung. Im Unterschied dazu besitzt das reflowable EPUB keine feste Seitenstruktur. Die typografischen Einstellungen (wie z. B. Schriftart und -größe) werden vom Leser/Gerät definiert. Die Buchseiten werden vom Gerät während des Blättervorgangs gerendert, der Zeilenfall ist vom Gerät und von der Lese-Software abhängig. Der Vorteil des reflowable EPUBs liegt in seiner Flexibilität. Während die Seiten eines Fixed-Layout-EPUBs feststehende Pixelgrößen besitzen und damit u. U. auf kleinen Bildschirmen kaum lesbar sind, passen sich reflowable EPUBs dynamisch an die Bildschirmmaße an. Damit lässt sich ein Print-Layout nicht eins zu eins umsetzen und eine Lesestruktur, die auf einem Doppelseiten-Layout basiert, lässt sich ebenfalls nicht realisieren.

Fabian und Ursula haben sich bewusst gegen ein Fixed-Layout-EPUB entschieden. Der Grund dafür: Zum einen wird das Fixed Layout nur von einer kleinen Gerätegruppe unterstützt, was die Zielgruppe, die durch das spezielle Thema ohnehin recht klein ist, weiter eingeschränkt hätte. Zum anderen hält Fabian das Fixed Layout für eine technologische Sackgasse. Die Einschränkung auf ein bestimmtes Medienformat (feste Pixelgröße) wird nicht die Lösung der Zukunft sein. Fixed Layout ist also eine „Brückentechnologie“.

Bei der Umsetzung des reflowable EPUBs sollten alle Möglichkeiten des Formats ausgereizt werden. Hier stellen sich aber ebenfalls Fragen nach der Kompatibilität. Würde man z. B. die technischen Möglichkeiten des EPUB-3-Standards voll ausnutzen, müsste man wieder mit dem Problem einer eingeschränkten Gerätegruppe umgehen. Wählte man ausschließlich den EPUB-2-Standard, um das E-Book auf allen EPUB-tauglichen Geräten gleichermaßen gut darzustellen, wäre man in seinen Möglichkeiten arg eingeschränkt. Die Lösung bestand darin, eine EPUB-Variante umzusetzen, die nach dem Prinzip der „graceful degradation“ funktioniert. Darin werden all die technischen Möglichkeiten des EPUB-2-Standards umgesetzt, die auf einigen Lesegeräten eine optimale Darstellung erlauben, auf allen anderen Geräten aber trotzdem lesbar bleiben. Und im Idealfall so ordentlich, dass es einem Leser (ohne direkten Vergleich) gar nicht auffällt, dass ihm etwas entgeht. Die EPUB-3-Variante wird in einem zweiten Schritt als eigene Datei-Version erstellt und separat angeboten.

Arbeitsweise

Da die Text-Daten als Worddateien vorlagen, lag ein Workflow Word-to-HTML nahe. Hierfür muss die Worddatei sauber strukturiert sein, d. h. mit Absatz- und Zeichenvorlagen ausgezeichnete Texte enthalten. Aus Word (Version 2007 und jünger) muss dann im Format „Als Webseite, gefiltert“ abgespeichert werden. Das daraus entstehende HTML-Dokument ist leider noch nicht so sauber, dass man es unbearbeitet für ein EPUB nutzen kann. In der Tat ist die Bereinigung noch mit einigem Aufwand verbunden und nicht ideal. Fabian würde dies beim nächsten Mal anders machen und empfiehlt lieber den Weg über OpenOffice.

Nach der Bereinigung des HTML-Dokuments (am einfachsten mit einem professionellen Werkzeug wie XML Spy o. Ä.), wurde das EPUB mit Hilfe des kostenlosen Programms Sigil aufgebaut, das Fabian sehr gut gefällt. Damit lassen sich EPUB-Dateien aufbauen, editieren, korrigieren.

Exkurs: Ein EPUB ist eine Container-Datei, in der Buchinhalte und Buchdefinitionen in einer Ordnerstruktur abgelegt sind. Jede (nicht kopiergeschützte) EPUB-Datei kann mittels Änderung der Datei-Endung in „.zip“ entpackt werden. Darin befindet sich eine Mimetype-Datei, die den Container als EPUB definiert, ein Ordner „Meta-inf“, der eine Datei enthält, die u. a. auf den Pfad der .opf-Datei verweist, sowie ein Ordner „OEBPS“, der alle wesentlichen Inhalts- und XML-Steuerungsdateien enthält, u. a. besagte .opf-Datei. Die .opf-Datei (meist als content.opf oder package.opf abgespeichert) enthält fast alle wichtigen Definitionen für das EPUB, z. B. die EPUB-Version (2 oder 3), die Metadaten mit Information über Autor, Verlag, ISBN etc., eine Auflistung aller im Container befindlichen Inhaltsdateien sowie die Reihenfolge, in der sie angezeigt werden sollen, und noch einiges mehr. Die Text-Inhalte werden in HTML-Dateien erfasst, die Darstellungsweise der Texte mittels einer eigenen CSS-Datei gesteuert. Etwaige Bilder und Schrift-Fonts, Video- oder Audio-Dateien liegen ebenfalls im OEBPS-Ordner. EPUB 2 basiert im Wesentlichen auf HTML 4, EPUB 3 im Wesentlichen auf HTML 5.

Das Besondere von Sigil ist, dass es die Ordner-Struktur mit ihren internen Verweisen und Verlinkungen automatisch erstellt. Verändert man irgendetwas in Sigil, kann man immer sicher sein, dass das Programm ein valides und sauber strukturiertes EPUB daraus macht. Das Programm enthält darüber hinaus den offiziellen EPUB-Checker, ist mit dem W3C-CSS-Validator verknüpft und bietet eine automatische Bereinigung der CSS-Datei sowie des Bild-Ordners. Den Komfort muss man allerdings mit einer gewissen Unflexibilität bezahlen. Sigil unterstützt ausschließlich den Standard EPUB 2. Möchte man also Funktionalitäten des EPUB-3-Standards in sein EPUB integrieren, muss man dies nachträglich umsetzen und die Datei danach nicht mehr in Sigil öffnen. Sigil überschreibt nämlich diese Änderungen und löscht eigenmächtig alles, was nicht in sein „Verständnis“ eines validen EPUBs passt. Darüber hinaus legt Sigil seine eigene Ordnerstruktur an, die im Falle einer weiterführenden Nutzung der EPUB-Daten möglicherweise Probleme bereitet. Ist man sich dieser Einschränkungen bewusst, ist Sigil aber ein sehr hilfreiches und zeitsparendes Tool. Denn die manuelle Bearbeitung von EPUBs ist extrem fehleranfällig. Jede Veränderung in einer Datei zieht u. U. Konsequenzen in anderen Dateien des Containers nach sich (z. B. content.opf), die nachzuverfolgen sehr aufwändig ist.

Fabian Kern: Anspruchsvolle EPUB-E-Books selber machen, Session beim eBookCamp 2013Konzeption und Umsetzung des E-Books

Das E-Book sollte den Charakter des Buches aufgreifen, die Möglichkeiten (und Einschränkungen) des neuen Mediums aber berücksichtigen und optimal umsetzen. Das Layout des gedruckten Buches enthält zahlreiche Bilder, die aus dem Nachlassarchiv der Schriftstellerin Lou Andreas-Salomé stammen, sowie Originalfotos aus den Jahren um 1900. Für die Umsetzung des E-Books als reflowable EPUB musste auf das Doppelseitenprinzip des gedruckten Layouts verzichtet werden. Typografisch und hinsichtlich der inhaltlichen Bestandteile wurde die Struktur des gedruckten Buches beibehalten. Da es sich anbot, konnten weitere Inhalte dem E-Book beigefügt werden, z. B. Beschreibungen und Leseproben der Werke der Autorin, im Wesentlichen Inhalte, die mithilfe von Verlinkungen oder Pop-up-Fußnoten leicht aus dem Lesefluss des Haupttextes erreichbar sind. Hier konnte das neue Medium seine Stärken in der Verästelung von Inhalten zeigen. Der ursprünglich von Fabian angedachte komplette Umbau der Leselinien wurde verworfen, da dieser keine praktikable Leseführung erlaubte.

So entstand ein Content-Netz, das auch bidirektionale Verlinkung (also Hin- und Rückverlinkung) enthielt und damit einen Leseflussmit Nebenwegen erlaubt.

Was die Typographie angeht, wurde mit CSS aus dem Vollen geschöpft. Textkästen mit Hintergrundfarbe und farbigem Text, sowie Links, die je nach Typologie automatisch mit Hilfe von CSS ein bestimmtes Icon vorangestellt bekamen (das Icon wurde als Bild und nicht als Font-Icon integriert, damit es im Falle einer Änderung der Schrifttype durch den Leser nicht durch ein Kästchen-Symbol oder Fragezeichen oder Ähnliches ersetzt wird). In diesem Fall wird auch das Prinzip der „graceful degradation“ deutlich. Das Icon wird nur von Lesesoftwares angezeigt, die den entsprechenden CSS-Befehl unterstützen, also im Wesentlichen iBooks. Andere Geräte ignorieren schlicht diese CSS-Regel und stellen den Link ohne Icon dar (wer nicht weiß, dass er das Icon sehen könnte, wird nichts vermissen).

Das Inhaltsverzeichnis gestaltete Fabian grafisch, indem er Bilder und Texte in eine Tabelle einfügte. Für die Bilder innerhalb des Textes legte Fabian keine Größendefinition fest, sondern konvertierte diese im Vorfeld auf die gewünschte Größe, sodass sie auf dem iPad die gewünschte Breite einnahmen. Auf einem kleineren Bildschirm würden die Bilder dann entsprechend größer oder kleiner dargestellt werden. Die Umsetzung mit prozentualer Größenfestlegung (also z. B. durch Eingabe der Breite width = „50%“) hätte den Nachteil gehabt, dass sie auf verschiedenen Geräten unterschiedlich interpretiert wird.

Zeitfaktor

Ich konnte es kaum glauben, aber Fabian teilte uns mit, dass Ursula und er für die Umsetzung des EPUBs insgesamt nur jeweils einen Tag Arbeit benötigt haben. Dies sei allerdings nur deshalb möglich gewesen, weil sie beide langjährige „XML-Native-Speaker“ seien und sehr genau gewusst hätten, wie sie was umsetzen wollten.

In zukünftigen Projekten würde Fabian einen Word-to-HTML-Workflow nicht wiederholen wollen und lieber mit OpenOffice statt mit MS Word arbeiten. Ein Workflow Word-to-XML würde sich nur lohnen, wenn man damit mehrere Titel in einer Reihe veröffentlichen will, da allein das Aufsetzender XML-Datei und der nachfolgend notwendigen Konvertierung ca. zwei Tage in Anspruch nehme.

Ausblick auf die Multimedia-Version

In einer zweiten Phase des Projekts soll in absehbarer Zeit eine EPUB-3-Variante des E-Books entstehen. Hierfür sollen u. a. Multimedia-Elemente eingebettet werden. Die EPUB-3-Variante wird ausschließlich für Apple iBooks umgesetzt werden. Andere Geräte unterstützen diesen Standard noch nicht.

Außerdem möchte Fabian ausprobieren, ob er in EPUB 3 eine Google-Karte einbetten kann. Noch wisse er nicht, ob dies technisch möglich sei, d. h. vor allem, ob dies die Lesegeräte unterstützten. Ich bin sehr gespannt und drücke die Daumen, dass das klappt. Es wäre eine Pionierleistung!

Weitere Infos zum Projekt findet Ihr in der Präsentation von Fabian Kern, die er auf Slideshare veröffentlicht hat.


Sessionbericht: LOG.OS (Volker Oppmann)

Unsere Sessionpaten haben in den Tagen nach dem eBookCamp fleißig in die Tasten gehauen, um die Themen für alle Teilnehmer und Interessierten zusammenzufassen. Vielen, vielen Dank dafür! Die Berichte veröffentlichen wir nacheinander in den kommenden Tagen.

LOG.OS – eine E-Book-Plattform, die nach den Prinzipien der Gemeinwohlökonomie wirtschaftet

Sessionleitung und Text: Volker Oppmann

Volker Oppmann, Sessionleiter beim eBookCamp 2013

© eBookCamp

Wir waren zwar eine kleine, dafür aber sehr feine Gruppe von hochgradig interessierten und wachsamen Teilnehmern, die sich lebhaft in die Diskussion eingebracht und die richtigen Fragen gestellt haben.

So wurden vor allem der gemeinnützige Ansatz sowie die damit verbundenen Implikationen kontrovers diskutiert. Eine der Kernfragen war, inwieweit man mit einem gemeinnützigen Ansatz ebenfalls Daten seiner Nutzer erheben darf (oder gerade auch nicht) bzw. wie man ein in Sachen User Experience gleichwertiges Angebot auf die Beine stellen kann, wenn einem die dafür notwendigen Nutzerdaten (über Tracking-Mechanismen) fehlen. Sprich: Alle waren sich der latenten Gefahr bewusst, dass man selbst zu dem wird, was man eigentlich bekämpfen möchte, einer Datenkrake.

Wir haben verschiedene Probleme und Lösungsansätze diskutiert, und es bestand insoweit in einigen zentralen Punkten Einigkeit:

  • Eine gemeinnützige E-Book-Plattform, die ihr „Fair-Trade“-Label auch seitens der Nutzer verdient, muss
    • lückenlos transparent sein (welche Daten werden wann, wo, wie und warum erhoben und was passiert anschließend damit bzw. kann ich auch nachträglich noch Einfluss auf meine Daten nehmen?),
    • dem Nutzer die volle Kontrolle über seine Daten geben (inkl. vollständiger Anonymisierung, Löschung oder indem sie gar nicht erst aufgezeichnet werden),
    • die Default-Einstellung auf „anonym/keine Daten erheben“ haben und sämtliche Dienste, die lediglich über die Preisgabe persönlicher Daten möglich sind (Ähnlichkeitsanalysen für Vorschlagslisten etc. pp.) über ein Double-opt-in-Verfahren zugänglich machen.
  • Wünschenswert wäre ein dezentrales Verzeichnis auf der Festplatte des Nutzers, sodass man seine E-Books ebenso wie die eigenen Daten auch dezentral verwalten kann, ohne auf die Services der Plattform zu verzichten.
  • Eine nicht knackbare Verschlüsselung (z. B. über eine Art „shared secret“) wäre ebenfalls sehr wünschenswert, d. h. eine Plattform, auf der meine Daten auch tatsächlich sicher sind und nicht von öffentlichen Diensten ausgelesen werden können.
  • Insofern bräuchte es nicht nur eine Distanz zur Wirtschaft, sondern auch zu politischen oder anderweitigen staatlichen Gebilden. Wunschbild: Eine wahrhaft neutrale Zone für die Netzgemeinde.

Sessionbericht: TigerCreate (Christina Kumpmann)

Unsere Sessionpaten haben in den Tagen nach dem eBookCamp fleißig in die Tasten gehauen, um die Themen für alle Teilnehmer und Interessierten zusammenzufassen. Vielen, vielen Dank dafür! Die Berichte veröffentlichen wir nacheinander in den kommenden Tagen.

TigerCreate – interaktive Erlebnisbücher für alle Plattformen

Sessionleiterin: Christina Kumpmann

Text: Marlies Hebler

Ursprünglich hatte ich mich ja als Patin für die von Rowohlt-Programmleiterin Kathrin Blum angebotene Session „Lehrjahre eines digitalen Projekts“ angemeldet. Zusammen mit Softwarentwickler Jan Krutisch und Frontenddesigner Benjamin Rabe wollte Kathrin von ihren Erfahrungen im gemeinsamen Projekt „Death Book“ berichten. Leider musste sie ganz kurzfristig absagen und die Session gestrichen werden.

Christina Kumpmann, Leiterin Digitale Medien bei Oetinger, war zur Freude aller spontan bereit, die Lücke mit einer Präsentation der neuen Software TigerCreate zu füllen, und so wurde ich von der Death-Book-Patin zur TigerCreate-Patin. Getreu dem Motto: Flexibel bleiben in digital-schnellen Zeiten!

Christina gab den Session-Teilnehmern zunächst einen kurzen Überblick, was bei Oetinger im Bereich digitales Kinderbuch bislang passiert ist. Aus den Erfahrungen heraus, die Oetinger im Bereich digitale Ausgabeformate wie Buch-Apps, Spiele-Apps etc. bislang gemacht hatte (sehr kostspielig! sehr aufwändig! Sichtbarkeit gering!), hat der Verlag 2011 eine Vertriebsplattform für animierte, interaktive aber auch klassische E-Books für Kinder gelauncht: Tigerbooks – der digitale Buchladen für Kinder. Offen für alle Verlage, die animierte oder auch klassische digitale Produkte im Kinderbuchbereich vertreiben wollen.

Nun, um genau zu sein: Frühjahr2014 kommt die Software zur Vertriebsplattform, TigerCreate. Zusammen mit der App-Firma Next Munich hat Oetinger eine Software entwickelt, die „das einfache und schnelle Erstellen interaktiver Erlebnisbücher ermöglicht, die dann als E-Books oder Apps über alle wichtigen Plattformen vertrieben werden“.

Hier einige Eckdaten zu TigerCreate (laut Produktbroschüre):

  • Anwendung für Mac ab OS X Lion
  • Entwicklung basiert auf Unity
  • What-you-see-is-what-you-get-Editor
  • Interaktive Animationen (Timeline-Animationen, physikalische Animationen, Scratch-Animationen, Movieclip-Animationen, Grafiken veränderbar pro Sprache, verschachtelte Animationen)
  • Audio (Timing-Tool für Word-Highlighting, direktes Audio-Preview, beliebig viele Soundeffekte, Mehrsprachigkeit Audio, Einbinden von Sprechern, interaktive Soundeffekte)
  • Text (interaktives Ein- und Ausblenden, Word-Highlighting, Schriftgröße, Schriftfarbe, Mehrsprachigkeit, mehrere Textboxen pro Seite, Ausrichtung, Schriftart)
  • Spiele (Grafiken pro Buch, Quiz, Malspiel, Memo, Puzzle uvm.)

In der Anwendungspraxis reichen, so Christina, InDesign- und Animationserfahrung aus, um die Software zu bedienen, weitere Zusatzkenntnisse seien nicht nötig (Schulungen und Webinare sind jedoch in Planung). TigerCreate sei eine selbsterklärende Software, die sich jeder professionelle Print-Hersteller aneignen könne.

Dass die Bedienung schlüssig und einfach zu handhaben ist, hat Christina dann anhand einer Seite aus einemgedruckten Piraten-Bilderbuch, die säbelschwingend und auditiv-mehrsprachig in der Session zu neuem Leben erweckt wurde, vor Ort live demonstriert.

Christina Kumpmann: TigerCreate, Session beim eBookCamp 2013

© eBookCamp

TigerCreate ist ein Authoring-Tool, kein Developer-Tool, d. h. der Software-Quellcode bleibt Geheimnis der Tigerbooks Media GmbH. Partnerverlage können jedoch die Implementierung weiterer Features empfehlen, so dass die Software sinnvoll weiterentwickelt werden kann.

Und das Geschäftsmodell? Die Nutzung von TigerCreate soll auf einem Lizenzmodell basieren. Die Erstellung eines Tigerbook ist in diesem Modell gebührenfrei, der Service des Vertriebs über die verschiedenen Plattformen wie Tigerbooks, iBookstore, App Store, Android, Amazon, Windows etc. hingegen wird provisioniert. Die Höhe der Provision steht derzeit noch nicht fest, das Lizenzmodell wird derzeit noch ausgearbeitet.

TigerCreate und seine Möglichkeiten stießen im Publikum auf großes Interesse und anerkennenden Zuspruch. Wir sind gespannt, wie laut der Tiger ab dem kommenden Jahr brüllen wird.


Sessionbericht: DIE ZEIT macht E-Books (Cigdem Aker)

Unsere Sessionpaten haben in den Tagen nach dem eBookCamp fleißig in die Tasten gehauen, um die Themen für alle Teilnehmer und Interessierten zusammenzufassen. Vielen, vielen Dank dafür! Die Berichte veröffentlichen wir nacheinander in den kommenden Tagen.

Eine Wochenzeitung macht E-Books: Erfahrungen der ZEIT mit einem neuen Geschäftsmodell

Sessionleiterin: Cigdem Aker

Text: Nele Süß

Bei E-Books denken die meisten an klassische Bücher aus Buchverlagen, nur eben in elektronischer Form. Dass sich mittlerweile auch Zeitungsverlage in diesem Bereich engagieren, zeigte Cigdem Aker in ihrer Session, in der sich alles um die Erfahrungen des Zeitverlags nach vier Monaten E-Book-Vertrieb drehte.

Cigdem, verantwortlich für die Abteilung, startete mit einer kleinen Umfrage, wer unter den Zuhörern das neue Angebot des Zeitverlags kenne. Ergebnis: Bisher nur einige wenige. Umso größer war die Neugier auf das im Juni 2013 gestartete E-Book-Programm, das mittlerweile 21 Titel umfasst. Bis Ende des Jahres werden es 25 sein. Konzept ist, das Beste aus der gedruckten Ausgabe der ZEIT digital aufzubereiten und neu gebündelt anzubieten, wie beispielsweise Kolumnen, Artikelsammlungen zu Brennpunktthemen oder Artikelserien. Bei letzteren gibt es die Möglichkeit, das E-Book zeitgleich mit Erscheinen des letzten Teils der Serie zu veröffentlichen. Die E-Books werden zudem mit exklusiven Zusatzinhalten angereichert, bei Bedarf werden Artikel auch aktualisiert oder in ungekürzter Version veröffentlicht.

Cigdem Aker: ZEIT E-Books, Session beim eBookCamp 2013

© eBookCamp

Ins Leben gerufen wurde die Abteilung aus verschiedenen Gründen: Zum einen wird der Print-Markt bei den Zeitungen immer mehr zurückgehen und sich ins Digitale verlagern. Zum anderen möchte man damit auch diejenigen ansprechen, die keine Zeit haben, die ganze Ausgabe der ZEIT zu lesen – diese Gruppe soll mit thematischen Zusammenstellungen angelockt werden.

Inhaltlich speist sich das vielfältige Programm aus der Printausgabe der ZEIT – alles, was originär auf ZEIT Online erschienen ist, wird an anderer Stelle für den E-Book-Markt aufbereitet. Hier trennt man ganz klar nach Quellen – es gibt also zwei E-Book-Abteilungen unter dem Dach des Zeitverlags.

Eine Herausforderung ist und bleibt die Preisfrage, die sich in einem Zeitungsverlag deutlich anders gestaltet als in einem Buchverlag, denn: Es gibt keine Printausgabe des Buchs, an der man sich preislich orientieren könnte. Basis für die Preisfindung ist in diesem Fall: Umfang des E-Books (Seitenzahl bzw. Anzahl der Artikel) plus Nutzwert des Produkts bzw. Exklusivität der Informationen. Zudem spielt das gute Image der Marke ZEIT bei der Suche nach dem richtigen Preis eine Rolle. Da man jedoch keinen gänzlich neuen Content bieten kann, können keine allzu hohen Preise verlangt werden, wobei die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass höhere Preise die Käufer nicht zwingend abschrecken. Die Kosten liegen zwischen 1,99 € und 7,99 € und im Durchschnitt bei 3,75 €, womit man deutlich unter dem Angebot von Süddeutscher Zeitung (im Schnitt 7,49 €) und FAZ (im Schnitt 13,15 €), aber über dem des SPIEGELs (im Schnitt 2,07 €) und denen anderer Mitbewerber liegt.

Der Vertrieb der ZEIT-E-Books erfolgt auf verschiedenen Wegen. Ein Drittel des Absatzes läuft über den eigenen ZEIT-Online-Shop, der bereits gut eingeführt ist und eine sehr gute Zielgruppenpassung bietet. Zudem bleiben 100 % der Umsätze im eigenen Haus und eine Auswertung der Kundendaten ermöglicht eine optimale Kundenanalyse. Mit epubli als Aggregator werden auch weitere Plattformen beliefert, u. a. Amazon (bisher 36 % des Umsatzes) und Apple (bisher 23 % des Umsatzes). Alle E-Books werden ohne Kopierschutz ausgeliefert.

Beworben werden die E-Books vor allem über die eigenen Kanäle, wobei der Medienbruch von Print zu Online keine große Rolle spielt. Beispielsweise werden E-Books, wie die Cityguides, auf den Reiseseiten der Print-Ausgabe beworben und die Leser wechseln ohne Probleme in die digitale ZEIT-Welt. Zudem kann in Themen-Newslettern (z. B. dem Lehrer-Newsletter) passgenau geworben werden und natürlich werden auch sämtliche Online-Kanäle genutzt, u. a. wurden gute Erfahrungen mit Banner-Werbung auf der mobilen Seite der ZEIT gemacht. Sehr erfolgreich waren von Anfang an begrenzte Preisaktionen zur Neuerscheinung von E-Books, die per Subkriptionspreis in den ersten Wochen nach Erscheinen günstiger angeboten wurden – rund 25 % der Käufer erwarben dann gleich noch weitere Titel im Online-Shop. Spannend ist hier, dass auch nach Anhebung des Preises noch gute Verkäufe erzielt werden können. Von kostenlosen E-Books als Werbemaßnahme sieht man eher ab, da dann schnell der Eindruck entstehen könnte, dass die Produkte im wahrsten Sinne des Wortes nichts wert sind. Beworben werden meistens drei bis vier E-Books gleichzeitig, diese dann intensiv. Innerhalb der E-Books verzichtet man bisher auf Fremdwerbung.

Welche Unterschiede gibt es noch zum klassischen Buchverlag? Einige wurden bereits genannt: Die Preisfrage, die Marketing- und Vertriebsmöglichkeiten durch die Verzahnung mit allen Produkten und Kanälen des Zeitverlags und auch das gute Image der Wochenzeitung, auf dem aufgebaut werden konnte. Dazu kommt noch: Das neue Geschäftsmodell ermöglicht es, sehr frei zu denken. Es ersetzt keine bisherigen Umsätze und die Orientierung am Print-Produkt entfällt: Das E-Book ist die erste Verwertungsstufe – eine Printausgabe gibt es vorher nicht. Der Weg ist hier, wenn überhaupt, ein umgekehrter: Erst das E-Book, dann die Printausgabe, was an einem Titel bereits getestet wurde. Hier wurde aus der finalen EPUB-Datei mit einem eigenen Stylesheet ein Druck-PDF erstellt, in dem dann noch die Umbruchkorrektur erfolgen musste. Somit steht das E-Book ganz im Fokus des Programms und der Produktion, Vertrieb und Marketing können ganz darauf ausgerichtet werden.


Sessionbericht: Die Legende vom richtigen Preis (Maike Prehn)

Unsere Sessionpaten haben in den Tagen nach dem eBookCamp fleißig in die Tasten gehauen, um die Themen für alle Teilnehmer und Interessierten zusammenzufassen. Vielen, vielen Dank dafür! Die Berichte veröffentlichen wir nacheinander in den kommenden Tagen.

Die Legende vom richtigen Preis – was dürfen digitale Bücher kosten?

Sessionleiterin: Maike Prehn

Text: Sana Tornow

Thema: KUNDEN

  • Wer sind unsere Kunden?
  • Kennen wir, also wir „Buchmenschen“ überhaupt unsere Kunden, die echten Endkunden, oder denken wir nach wie vor nur bis zum Handel?
  • Kenne deine Kunden, sie sind diejenigen, die unseren Job sichern.
  • Wie kann ich meine Kunden kennenlernen?
    • Umfragen, z. B. Newsletter
    • Gewinnspiele
    • Facebook-Aktionen
    • Lese- und Autorenveranstaltungen

Thema: STUDIEN

Folgende Stichpunkte beziehen sich auf die Folien, die während der Präsentation gezeigt wurden.

  • Betrachten der Marktzahlen der MediaControl-Studie
  • Starke Leserschaft sind die 30- bis49-Jährigen
  • Betrachten des Sinus-Milieus mit Fazit: bürgerliche Mitte ist die stärkste Kaufkraft bei Büchern
  • Betrachtung Preisentwicklung USA
    • Preisniveau in USA ist stark gesunken im E-Book-Segment
    • Ein Grund könnten die Self-Publisher sein
    • Media Control prüft nur die Verlage und nicht die Self-Publisher

Thema: PREIS

  • Frage in die Runde: Wie teuer sind unsere E-Books?
    • Im Allgemeinen meinten alle zwischen 15 % bis 30 % Nachlass zum Printpreis
  • Ein reiner E-Book-Verlag nimmt Preise zwischen 4,99 und 5,99 EUR pro Titel
    • Schweizer Verlage verlangen erheblich mehr, eher zwischen 15 und 16 EUR, aber die Preispolitik und die Kaufkraft der Schweiz ist völlig anders als auch dem deutschen Markt
  • Folie: was denkt der Kunde, warum sollten E-Books seiner Meinung nach günstiger sein?
    • Nichts Gedrucktes
    • Keine Lager- und Transportkosten
    • Daten können verloren gehen
    • E-Book kann nicht verliehen oder nach Gebrauch weitergegeben werden
    • Grundsätzlich sind digitale Inhalte günstiger als analoge, Bsp. CD vs. MP3
    • Kunde muss ja schon das Lesegerät teuer kaufen, da sollte die „Software“ günstig ausfallen

Hier sehr interessanter Einwand eines eBookCamp Besuchers: Kunden sollten das Lesegerät und E-Books damit vergleichen, dass sie zu einer exklusiven Party (Lesegerät) gehen, die eben Eintritt kostet, und hier genehmigt man sich ein paar gute Getränke(E-Books). Wir müssen es den Kunden nur richtig verkaufen bzw. beschreiben.

  • Allgemein kann festgehalten werden, dass der Preis auch eine Frage des Genres ist
    • Krimis gibt es „en masse“, deshalb sollten sie günstig sein
    • Ausnahme: Bestsellerautoren-Krimis (starke Namen, starke Autoren dürfen teurer sein)
    • Wissenschaft, Historische Romane und Fachbücher dürfen teurer sein
  • Welche Vorteile bietet die Buchhandlung gegenüber Amazon und Online-Shops?
    • Bei Amazon ist kein gemütliches Stöbern möglich.
    • Online-Shops bieten keine schöne Einkaufsatmosphäre,
    • keine Spontan- bzw. Impulskäufe,
    • keine ansprechende Buchpräsentation.
    • Durchblättern oder Reinlesen ist beim Online-Kauf nur bedingt möglich.
  • Die meistverkauften E-Books liegen im Preissegment von 2,99 bis 9,99 EUR
  • Für Self-Publisher liegt der Richtwert bei 2,99 bis 3,99 EUR, das ist der Preis, den der Kunde am ehesten bereit ist, zu bezahlen (laut Beobachtungen und Studien)
  • Die zwei Hauptprobleme mit E-Books, die wir festgestellt haben, sind:
    • E-Books sind keine schönen bzw. attraktiven Geschenke
    • E-Books können nicht als Statussymbol oder dekorativ im Wohnzimmer drapiert werden
  • Das bedeutet:
    • Wenn ich ein E-Book kaufe dann fast nur, um es wirklich selbst zu lesen
    • Ein Buch ist immer auch ein willkommenes Geschenk
  • Interessante Entwicklung: gedruckte Bücher werden teurer.
  • Lösungen? Wir bräuchten digitale Modelle, um E-Books attraktiver zu machen. Was könnte das sein?
    • Streaming
    • Ausleihe
    • Eine attraktive Lösung für Geschenkgutscheine für E-Books, die individuell mit dem entsprechenden Code versehen werden können

Wichtiger Hinweis:

Es ist eigentlich aus grafischer Sicht untragbar, dass E-Books und gedruckte Bücher die gleichen Cover haben. Eigentlich müssten E-Books angepasste, für den Screen angepasste Cover bekommen– und andersherum auch. Eigentlich weiß jeder: Was im Print funktioniert, sieht am Bildschirm oder auf dem Reader in Graustufen noch lange nicht gut aus!

Fazit:

  • E-Books dürfen nicht zu günstig (> 2,99 EUR) aber auch nicht zu teuer (< 9,99 EUR) sein, sonst werden sie von den Kunden als nicht wertig oder überteuert empfunden
  • E-Book wird von den Kunden immer als weniger wert als das Buch empfunden
  • Grundsätzlich großes Preisgefälle
  • Enhanced E-Books verkaufen sich so gut wie gar nicht, wahrscheinlich weil sie einfach zu teuer sind und den Kunden nicht genug Mehrwert bieten, zudem sind sie fast nur bei iOS sinnvoll einsetzbar
Maike Prehn: Die Legende vom richtigen Preis, Session beim eBookCamp 2013

© eBookCamp

 


Sessionbericht: Wie wird der Kuchen künftig verteilt? (Nina Kreutzfeldt)

Unsere Sessionpaten haben in den Tagen nach dem eBookCamp fleißig in die Tasten gehauen, um die Themen für alle Teilnehmer und Interessierten zusammenzufassen. Vielen, vielen Dank dafür! Die Berichte veröffentlichen wir nacheinander in den kommenden Tagen.

Wie wird der Kuchen künftig verteilt? E-Book-Kalkulation im Verlag

Sessionleiterin: Nina Kreutzfeldt

Text: Barbara Lauer

Nina Kreutzfeldt: Wie wird der Kuchen künftig verteilt, Session beim eBookCamp 2013

Knapp 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten sich in der Session von Nina Kreutzfeldt zusammengefunden, um über die Kalkulation von E-Books zu diskutieren und das Vorgestellte mit dem eigenen Ansatz abzugleichen. Ausgangspunkt war die klassische Verlagskalkulation, in die neben das Printbuch als zweite Säule das E-Book gesetzt wurde. Gezeigt wurden auf der E-Book-Seite ein Best-Case- und ein Worst-Case-Szenario, bei denen sich vor allem der Handelsrabatt, die Autorenhonorare und die Vertriebskosten unterschieden.

Einen Unterschied im Vergleich zum Printbuch macht bereits die Mehrwertsteuer aus, deren Höhe gegenwärtig bis Ende 2014 vom Firmensitz des Anbieters abhängt (also z. B. bei 3 % liegt, wenn das Unternehmen seinen Sitz in Luxemburg hat). Ab 2015 bestimmt sich die Mehrwertsteuer nach dem Land des Bestellenden.

Der Handelsrabatt liegt günstigenfalls etwas niedriger als beim Print (30 % im Vergleich zu 50 %), die Honorare dafür höher (20 %, 25 % und sogar 50 % wurden in der Runde genannt), Tendenz durch Selfpublishing-Möglichkeiten eher steigend.

Unterschiedliche Ansätze gibt es bei der Verteilung der Herstellkosten. In der Musterkalkulation trug das E-Book nur die Kosten der Konvertierung, die Satzkosten waren dem Printbuch zugeordnet. Dies wird aber nicht überall so gehandhabt. Genannt wurde das Modell einer Aufteilung der Satzkosten auf beide Formate, nach Anteil der erwarteten Auflage, was durchaus dazu führen kann, dass E-Books als unrentabel eingestuft und nicht gemacht werden. Weitere Diskussionspunkte waren die Zuordnung der Gemeinkosten und der Kosten für eine evtl. Workflow-Anpassung.

Wie sieht aber nun die Situation bei reinen E-Book-Verlagen aus? Hier steht kein Printbuch daneben, das ggf. den Großteil der Kosten trägt. Andererseits sind bei kleineren E-Book-Verlagen, die mit wenig eigenem Personal arbeiten, die Fixkosten deutlich geringer. Insofern schien das Kalkulationsmodell für reine E-Book-Verlage weniger geeignet.

Insgesamt scheint es geboten, sich auch bezüglich der Produktformen und des Preisgefüges stärker vom gedruckten Buch zu lösen, bietet das E-Book doch verschiedene Variationsmöglichkeiten, z. B. preisgünstige Kleinveröffentlichungen (Single Edition). Dotbooks war zunächst mit dem klassischen Ansatz gestartet, hat aber erst durch deutliche Preissenkungen, Preisaktionen und Marketingmaßnahmen die Verkäufe ankurbeln können und macht bei Preisen im Bereich von 4,99 Euro nun deutlich mehr Umsatz als vorher. Mit Preisen und Aktionen wird nach anderen Aussagen derzeit recht viel gespielt und experimentiert, wobei auch schon gewisse Abnutzungserscheinungen erkennbar seien.

Der heute von vielen Verlagen praktizierte Preisansatz von 80 % des Printpreises erschien nahezu allen Teilnehmern als zu hoch. Die E-Book-Preise werden sich voraussichtlich eher Richtung 50 % entwickeln bzw. sollten im Bereich Belletristik/Unterhaltung nicht über 10 Euro liegen. Schließlich entfällt beim E-Book die Möglichkeit, durch eine gehobene Ausstattung (wie Hardcover, Papier, größerer Umfang) wertig zu erscheinen. Beim E-Book sollen die Käufer nun eher den Wert des Inhalts honorieren, was deutlich schwieriger zu vermitteln ist. Dazu kommt, dass einige Verlage das E-Book im Bundle mit dem Printbuch anbieten (z. B. über einen ins Buch eingedruckten Zugangscode, über den sich das E-Book herunterladen lässt, wovon allerdings nur 10–20 % der Käufer überhaupt Gebrauch machen). Dadurch kann das E-Book leicht als „Abfallprodukt“ des gedruckten Buches erscheinen. Auch die Verlage müssen vermutlich noch stärker lernen, den Inhalt in seinen verschiedenen Erscheinungsformen als das Produkt zu verstehen und nicht so sehr das gedruckte Buch oder E-Book. Die wichtigsten Stellschrauben für den Erfolg und damit die Wirtschaftlichkeit von E-Books, das klang immer wieder durch, sind aber Preis und Marketingaktivitäten.

Leider reichte aufgrund der lebhaften und interessanten Diskussionen die Zeit nicht mehr zum angekündigten Blick in die Glaskugel, wie eine Kalkulation im Jahr 2018 aussehen könnte. Es bleibt also spannend, dieses Thema weiterzuverfolgen und zu vertiefen.